Zwei Schwergewichte

Das Duo 884 im Schlösschen in Limburgerhof

von Uwe Engel

Die Konzerte im Schlösschen in Limburgerhof sind mit einem Kammermusikabend des Duos 884 zu Ende gegangen. Hinter dem Namen verbirgt sich das Musikerehepaar Konstantin Bosch (Geige) und Andrea Juric-Bosch (Klavier). Für das anspruchsvolle Programm gab es vom Publikum begeisterten Applaus.

Mit dem Namen Duo 884 sind die 88 Klaviertasten und die vier Geigensaiten gemeint und, da zusammengeschrieben, die besonders enge Verbindung und Gleichwertigkeit der beiden. Und in der Tat harmoniert das Paar bestens miteinander. Konstantin Bosch stammt aus Sibirien, kam mit 16 Jahren nach Deutschland an die Musikhochschule Würzburg, wo er bei Conrad von der Goltz und Grigorij Zhislin studierte. Der Einfluss der russischen Geigerschule ist bei Bosch deutlich zu spüren. Seit 2007 ist er Mitglied der Staatsphilharmonie. Andrea Juric-Bosch wurde in Kroatien geboren. Sie absolvierte ihre Ausbildung in Nürnberg, Würzburg und an der Royal Academy of Music in London. Dort und in Würzburg war sie auch in der Lehre tätig.
Auf dem Programm in Limburgerhof standen Sonaten. Bosch hatte zwei exponierte Werke ausgewählt, eines aus der Anfangszeit der Gattung von Bach, ein zweites von Brahms, das am Höhe- und Endpunkt der Entwicklung steht, aus der späten Romantik Zwei wahre Schwergewichte, was Umfang und spieltechnische Anforderungen, aber auch die Konzentrationsfähigkeit der Zuhörer betrifft. Aber das Duo wurde den Ansprüchen in vollem Maße gerecht und verstand es, die Spannung beim Publikum von Anfang bis Ende zu bewahren.
In seinen sechs Sonaten für Violine und Cembalo hat Bach mit der Gleichrangigkeit von Streich- und Tasteninstrument etwas völlig Neues geschaffen. Puristen rümpfen die Nase, wenn der Cembalopart auf einem modernen Flügel ausgeführt wird, aber spätestens seit Glenn Gould wissen wir, dass Bach auch auf dem Klavier funktioniert. Freilich war die Aufführung der Sonate Nr. 3 E-Dur (BWV 1016) von einem klassischen Interpretationsansatz bestimmt. Heißt: Keine Spur von historischer Aufführungspraxis mit ihren schnellen Tempi, starken Akzenten und geschärftem Klangbild, stattdessen gemäßigtere Tempi, die besonders der Violine erlaubten, die Linien so richtig voll auszusingen. Konstantin Bosch spielte dabei mit warmen, makellosem Ton und viel Ausdruck.
Bei Brahms´ erster Violinsonate G-Dur op.78, der „Regenliedsonate“, war Boschs Geigenspiel dann von wahrhaft romantischer Intensität, sensibel nuanciert und farbenreich gestaltete hier Andrea Juric-Bosch ihren Klavierpart. Zusammen sorgten die beiden für eine intensive, wiederum sehr tiefe Wiedergabe.
Auftakt des Abends war eine köstliche Miniatur des zeitgenössischen Komponisten Rodion Schtschedrin, Zugabe Paul Desmonds Jazz-Standard „Take Five“.

DIE RHEINPFALZ, 13.12.2017

Violine und Klavier hauchen Mozart Leben ein

Evangelische Kirchengemeinde: Kammerkonzert mit Andrea Juric-Bosch und Konstantin Bosch

Birkenau. Zu einem Kammerkonzert mit zwei hoch qualifizierten Interpreten aus der Region lud die evangelische Kirchengemeinde Birkenau in das Gemeindezentrum ein. Ursel Schrödelsecker begrüßte die erwartungsvollen Zuhörer im Namen des Förderkreises für Kirchenmusik Birkenau und hieß Andrea Juric-Bosch (Klavier) und Konstantin Bosch (Violine) als Künstler des Abends willkommen. [ ... ]

Der erste Teil des Konzert wurde bestimmt durch die groß angelegte Konzertsonate in D-dur (KV 306) von Wolfgang Amadeus Mozart. Dabei gelang es den Interpreten gleich zu Beginn, im ersten Satz Allegro con spirito die Gegensätzlichkeit der beiden Themen deutlich herauszuarbeiten. Auf das in munterer Spiellaune dargebotene erste Thema folgte ein verhaltenes, lieblich anmutendes zweites Thema. Beachtlich in diesem Satz ist der groß angelegte Durchführungsteil, der durch verschiedene Tonarten führt und sich schließlich ins Dramatische steigert. Eine deutliche Zäsur bildet dann die überraschende Aufnahme des zweiten, verhaltenen Themas am Beginn der Reprise, wobei dieser deutliche Stimmungswechsel von den beiden Interpreten überzeugend vermittelt wurde.

Der zweite Satz Andante cantabile mit seinen gesanglichen Themen wurde in einer solch innigen und lyrischen Intensität vorgetragen, dass die Zuhörer regelrecht in himmlische Sphären entführt wurden.  Die beiden Musiker zogen die Zuhörer dabei mit ihrer sensiblen Klangsprache vollkommen in ihren Bann. Ein Ausgleich dazu wurde durch den lebendigen dritten Satz geschaffen, der rondoartig angelegt ist und in Anlehnung an die verschiedenen Themen zwischen geradem und ungeradem Takt wechselt. Hierbei brillierte das Musikerpaar durch seine vollendete Präzision, auch bei schwierigsten Passagen.

Mit dem zweiten großen Werk des Abend, der Sonate Nr. 2 in G-dur von Maurice Ravel kam ein der traditionellen Hörerwartung eher widerstrebendes Werk zur Aufführung. Während bei Mozart satztechnisch stets eine klassische Rollenverteilung zwischen Violine und Klavier zu erkennen ist, betonte Ravel, dass die beiden Instrumente für ihn im Wesentlichen unvereinbare Instrumente sind. So verschmelzen Violine und Klavier in seinem Werk nicht zu einem pathetischen Ganzen, sondern unterstreichen bewusst die Unvereinbarkeit ihrer Klänge. Bereits im ersten Satz Alegretto wurde deutlich, welch hohe technischen und musikalischen Anforderungen dieses Werk an die beiden Künstler stellte. Als langsamen Satz komponierte Ravel einen Blues, wobei seine Stilimitation des Blues von der Harmonik über die Phrasenbildung bis hin zur Imitation von Banjo- und Saxophonklängen in beiden Instrumenten führt. Dabei behält er jedoch immer seine eigene Klangsprache bei.

Das mitreißende Finale im letzten Satz beeindruckte schließlich durch schnelle Tonrepetitionen und kreisende Figuren von mitreißendem rhythmischen Schwung. Nach solch bravurösen Darbietungen war es nicht verwunderlich, dass das Publikum mit lang anhaltendem Applaus noch zwei Zugaben einforderte. So fand das Konzert mit der Romanze op. 4 und dem "Liebesleid" von Fritz Kreisler eine harmonische Abrundung.

ODENWÄLDER ZEITUNG

 

Emotional und ausdrucksstark

Obernburg Ein herausragendes Musikerlebnis bereiteten Konstantin Bosch (Violine) und Andrea Juric-Bosch (Klavier) den Besuchern bei einem Matineekonzert ...

mehr auf www.main-echo.de

Starker Saitenwechsel

Maudach: „Duo Achtundachtzig Vier“ überzeugt im Julius-Hetterich-Saal

Von Martina Nolte-Bohres

Perfekt im Zusammenspiel präsentierten sich Geiger Konstantin Bosch und Pianistin Andrea Juric-Bosch vergangenen Freitag im Julius-Hetterich-Saal. Sie spielten auf Einladung des Kulturförderkreises Maudach.

Ein Blick ins Programm des Kammerkonzerts, das am vergangenen Freitagabend im Julius-Hetterich-Saal in Maudach stattfand, verriet bereits, dass der Geiger Konstantin Bosch und die Pianistin Andrea Juric-Bosch ganz bewusst Stücke ausgewählt hatten, die eher selten gespielt werden. Das Konzert begann mit Bachs Sonate für Violine und Klavier in E-Dur (BWV 1016), und in dem wunderbaren Zusammenspiel der beiden Musiker war ihre eigene Begeisterung für dieses Stück deutlich zu spüren. Im Anschluss geleitete das Duo „Achtundachtzig Vier“, dessen Name aus den 88 Klaviertasten und den vier Saiten der Geige entstanden ist, sein Publikum mit Sergej Prokofievs Sonate in D-Dur op.94 ins 20. Jahrhundert. Hier begeisterten sie mit gekonnten Wechseln zwischen kraftvollem forte und sanftem piano sowie einem fulminanten Finale im vierten Satz.

[ Mit der Stück-Reihenfolge beweist das Duo ein Gespür für wechselnde Dynamik. ]

Als erstes Stück nach der Pause hatten die Künstler die Sonate e-moll (KV 304) von Wolfgang Amadeus Mozart gewählt, in der der Komponist vermutlich den Tod seiner Mutter verarbeitet hat und die nur aus zwei anstatt vier Sätzen besteht. „Wir haben Mozarts Sonate an den Anfang gestellt, weil sie sonst schnell von den anderen Stücken erdrückt würde“, sagte Konstantin Bosch nach dem Konzert. Und in der Tat bildete die von den Musikern virtuos vermittelte Zartheit des Mozartstücks einen Kontrast zu den darauffolgenden Werken, dem „Danse espagnole“ des spanischen Komponisten Enrique Granados sowie drei Stücken von Fritz Kreisler, der als der bedeutendste Geigenvirtuose der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gilt. Mit Kreislers schwungvollem „Marche miniature viennoise“ zauberten die Musiker ein Lächeln auf die Gesichter vieler Zuhörer und ließen diese unwillkürlich mit den Füßen wippen.

Das „Poème élégiaque op.12“ des belgischen Komponisten Eugene Ysaye bildete einen ruhigen, sehr romantischen Ausklang der musikalischen Zeitreise durch drei Jahrhunderte. Bei diesem anspruchsvollen Stück könne „ein Geiger zeigen, was er drauf hat“, hatte der Vorsitzende des Kulturförderkreises Maudach, Manfred Müller, in seiner kurzen Einleitung angekündigt. Und Konstantin Bosch meisterte die Darbietung des musikalischen Gedichts dann auch bravourös. Das Publikum belohnte die beeindruckende Leistung des Duos „Achtundachtzig Vier“ mit anhaltendem und kräftigem Applaus.

DIE RHEINPFALZ – Mittwoch, 30. Oktober 2013

 

Blick nach Osten

Musik aus Russland und Ungarn in der Philharmonie

Von Sigrid Feeser

Adventsmusik mal anders in der Ludwigshafener Philharmonie. In der Kammermusikreihe „So um 5“ präsentierten das Duo Galaxias und das Duo Achtundachtzig Vier einen Panoramablick auf die ungarische und russische Kammermusik des 20. und 21. Jahrhunderts.

Erster Advent und kein gefühlig auf die Festzeit abgestimmtes Programm, das ist schon einmal sehr gut. [ ... ]

Das zweite Duo mit Konstantin Bosch und Andrea Juric-Bosch hatte es mit der Violine-Klavier-Version von Prokofjews D-Dur-Sonate natürlich leichter, der klassische Viersätzer ist ein Kriegskind des Jahres 1943, was man ihm aber gar nicht anhört. Es scheint, als habe der Komponist die schlimmen Zeiten zugunsten eines Bildes sonniger musikalischer Normalität zurückgestellt. So haben es die beiden Künstler, die auch im Leben ein Paar sind, es uns ausgemalt, technisch und stilistisch versiert und perfekt aufeinander eingespielt. Da war eine Pièce im Stil von Albéniz ausdem musikalischen Gemischtwarenladen von Rodion Schtschedrin nur noch der Appetithappen hinterher, und die etwas sentimentale Kreisler-Zugabe der zusätzliche Sahneklecks auf einem gelungenen Auftritt.

RHEINPFALZ - Dienstag, 3. Dezember 2013

 

Außergewöhnliches Konzert als Geschenk an die Musikschule

Jubiläum: Duo Achtundachtzig Vier in Obernburg

von Ruth Weitz

Wie geschaffen für einen goldenen Oktobersonntag war das Matineekonzert mit Andrea Juric-Bosch am Flügel und Konstantin Bosch an der Violine als Duo Achtundachtzig Vier im Vortragssaal der Obernburger Musikschule. Die beiden Musiker haben den Zuhörern ein Geschenk überreicht, das noch lange nachklingen und an diesen Tag erinnern wird. [...]

Die Zuschauer, die am Sonntagvormittag den Weg in die Musikschule fanden, wurden 70 Minuten lang mit wunderbarer Musik in vollendeter Virtuosität verwöhnt. Als erstes Stück hatten sich die Musiker die Sonate a-moll D385 von Franz Schubert ausgesucht, die trotz der melancholischen Anmutung voller Dynamik und Leidenschaft steckt und mit schönen lyrischen Elementen bestückt ist. Von den Künstlern wurde dies in eindrucksvoller Weise herausgearbeitet. Die zweite Sonate im Verlauf des Vortrags stammte von Johannes Brahms [...] Im Gegensatz zu den aufwühlenden Klangbildern in der Schubert-Sonate waren es hier die luftig leichten und melodisch schwingenden Tonfolgen, die bezauberten. Der Dialog zwischen Violine und Klavier mündete in eine kontrastreiche Musiksprache.

Das letzte Stück des weniger bekannten Komponisten Eugene Ysaye mit dem Titel Poeme elegiaque war von einer hochinteressanten Struktur, die ein Wechselbad der Gefühle auslöste und von beiden Künstlern sowohl künstlerisches Einfühlungsvermögen als auch eigenständige Kreativität verlangte. Mal zart und sensibel, mal aufwühlend und ergreifend waren die Sequenzen gestaltet. Schon wie in den Interpretationen der Schubert- und Brahms-Sonaten zeigte sich hier die virtuose Gestaltungskraft beider Musiker, die Raum und Zeit hinter sich ließen und Klangbilder schufen, die tief berührten.

Mit warmem und anhaltendem Applaus wurden Konstantin Bosch und Andrea Juric-Bosch für ihre künstlerisch herausragende Leistung belohnt, und das Publikum bekam ein schwungvolles "Liebesleid" als Zugabe.

MAIN-ECHO - Mittwoch, 22. Oktober 2014