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Wie klingt das Werk eines Meisters, der trotz seiner Überzeugung der Unvereinbarkeit der Instumente Violine und Klavier, für diese Besetzung schreibt? 1923, Maurice Ravel war ein reifer Meister, er war dieser Überzeugung und schrieb dennoch eine Sonate. Es entstand ein absolut singuläres Werk, klassisch schlicht, klar und linear im Aufbau, dabei so vielschichtig und farbenvoll, geradezu orchestral wie kaum ein anderes. Während die Violine ihre endlosen Linien spinnt, vereint er im ersten Satz, Allegretto, im Klavier ein ganzes Orchester an Farben und Effekten, mal ist es eine Flöte im Duett mit einer Klarinette, mal zwei Hörner in "gregorianisch" anmutenden Quinten, dann eine Celesta, eine Harfe, eine gedämpfte Posaune. Im zweiten, mit "Blues" überschriebenen Satz ist es an der Geige ihre Vielseitigkeit unter Beweis zu stellen, ein Banjo und ein Saxofon, das Ravel gerne als Orchesterinstrument einsetzte, sind hier die Protagonisten. Trotz der Inspiration aus dem Jazz bezeichnete Ravel diese Musik mit gewissem Stolz als "europäisch" und "französisch", so sollte sie nicht als improvisierter Jazzstandard verstanden werden, sondern als eingenständige, durchkomponierte Piece. Das Perpetuum mobile zum Abschluss der Sonate ist voll Virtuosität und rhythmischem Drive, musikalische Zitate aus dem ersten Satz spannen den Bogen über das gesamte Werk und so widerlegt Ravel meisterhaft seine eigenen Überzeugungen.