neu01 neu02 neu03 neu04 neu05 neu06 neu07 neu08 neu09 neu10

Die neben der "Kreutzer"- wohl berühmteste Sonate Beethovens für Pianoforte und Violine, wie er diese Gattung nannte, ist die Sonate F-dur op. 24, besser bekannt unter dem Titel "Frühlingssonate". Als fünftes Werk dieser Gattung 1800-1801 komponiert, konzipierte Beethoven sie als zweite eines Sonatenpaares (im Autograph ist sie mit "Sonata IIa" überschrieben) im Gesamtopus mit der "vierten", op. 23, das durch einen Fehler des Verlegers in zwei eigene Opuszahlen aufgetrennt wurde. Die "Frühlingssonate" stellt einen neuen Evolutionsschritt für die Violinsonate als solche dar, keine drei Jahre nach den ersten drei Sonaten des op. 12, die mit ihrer Klavierlastigkeit mehr an den frühen Mozart erinnern, als an den kommenden Symphoniker Beethoven. In der gesamten Sonate erkennt man den kompositorischen Fortschritt Beethovens, von der motivisch-thematischen Arbeit und dem Gefühl für Ballance bis hin zu der Tiefe und Reife der künstlerischen Aussage. Es scheint, Beethoven würde diesmal einen neuen Ansatz verfolgen, als würde er "von der Violine aus" komponieren. Im Gegensatz zu den ersten Violinsonaten fühlt sich die Melodik der Frühlingssonate stets angenehm "geigerisch" an. Der Grundcharakter der Sonate, der vor allem durch die großen Ecksätze (Allegro - Rondo, Allegro ma non troppo) entsteht, ist lyrisch, gesanglich und verstärkt diesen Eindruck. Nur im lagsamen Satz, dem Adagio molto espressivo, übernimmt das Klavier den Hauptpart, die Violine hält sich unterstützend und umspielend im Hintergrund. Anschließend komponiert Beethoven, zum ersten Mal in einer Violinsonate ein Scherzo, hoch komprimiert, kaum länger als eine Minute, mal witzig "klappernd", im Trio wild rasend, genau richtig, um vor dem Finale nochmal richtig "Schwung" aufzunehmen.

Konstantin Bosch