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Die Sechs Sonaten BWV 1014-1019 entstanden am Ende Bachs Köthener Zeit, vor 1723. Dieser Zyklus stellt möglicherweise den größten Evolutionsschritt für die gesamte Gattung dar. Bach gibt hier die bis dahin übliche reine Begleitfunktion des Klaviers zugunsten einer eigenständigen Stimme auf. Er notiert nicht nur die Gegenstimmen in den schnellen, kontrapunktischen Sätzen, sondern auch die genaue Art der Begleitfiguren in den Langsamen. Die E-dur Sonate BWV 1016 eröffnet mit einer Ouvertüre im französischen Stil, die Violine breitet einen reich verzierten Sologesang über die schreitende Motive des Klaviers. Es folgt ein spritziges Fugato, eine der komplexesten Kompositionsformen überhaupt, aber auch eine der Liebsten Bachs. Der langsame Satz beginnt mit der Vorstellung einer viertaktigen Begleitfigur des Klaviers, sie wird wie bei einer Passacaglia das Gerüst dieses Arioso. Eine Melodie erscheint in der Geige, körperlos schwebend umspielt sie das Klavierthema. Im Verlauf tauschen die Instrumente die Rollen, ein Dialog der Schatten entsteht. Carl Philipp Emanuel Bach schrieb noch 1774 über die Violinsonaten seines Vaters: “Es sind einige Adagii darin, die man heut zu Tage nicht sangbarer setzen kann.”. Ein feuriges, italienisches Concerto-Finale beschließt die Sonate.

Konstantin Bosch