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1942, Prokofiev arbeitet, evakuiert ins Städtchen Koma im Ural, an der Oper „Krieg und Frieden“, zum Ende des Krieges wird er dort seine berühmte fünfte Sinfonie schreiben. Gleichzeitig erreicht ihn ein Auftrag „von oben“ für eine... Flötensonate. 1944 entsteht auf Wunsch und in Zusammenarbeit mit David Oistrach eine Fassung für Violine, welche der Sonate zu ihrem heutigen Ruhm verhilft. Prokofiev schafft ein Opus "in zartem, flüssigem klassischem Stil", wie er in seinem Tagebuch notiert, voll schwebender Farben, leicht distanziert wirkend. Seine Umsetzung der klassischen Sonatenform ist geradezu perfektionistisch, die Klarheit der Komposition einzigartig. Die Themen des ersten Satzes scheinen nebeneinander gestellt, die Durchführung wirbelt sie zunächst durcheinander, aber wie auf Befehl kehrt zur Reprise wieder Ordnung und Ruhe ein. Prokofiev gestattet uns nur einen kurzen Blick hinter die Fassade. Im zweiten Satz umschließen die zwei tänzelnden Scherzoabschnitte ein aus jeglichem Kontext und Tempo herausgerissenes Trio, das klingt wie Alice´ erster Blick auf das Wunderland. Das folgende Intermezzo bereitet ein finales Rondo vor, das „endlich“, möchte man sagen, ausgelassen jubilieren kann, oder vielleicht doch nicht? Zu Prokofievs Leben, zu seinem Genie gehörte stets die Fähigkeit zur Maskerade, ein hoch intelligentes Spiel mit doppeltem Boden.

Konstantin Bosch