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Die Märchenbilder von Robert Schumann gehen zurück auf das gleichnamige, vierteilige Gedicht des Berliner Dichters und Schumannverehrers Louis de Rieux, das dieser am 19. Februar 1851 dem Komponisten sandte, mit der Absicht, ihn zur Komposition einer Sonate (!) zu ispirieren. Schumann war sehr angetan, er versuchte Kontakt zum Dichter herzustellen, dessen Name er er "nicht habe lesen können", "er möge mir mehr schicken", notierte er in sein Briefverzeichnis. Wenngleich de Rieux eine sehr konkrete Vorstellung von der Umsetzung seines Gedichtes im Kopf hatte, "Ich dachte mir die Dichtung als Motiv zu einer Sonate und 1, als Allegro, 2 Adagio, 3, Scherzo, 4, Trio Finale Allegro", distanzierte sich Schumann wohl rasch von der Sonaten-Idee. Vielmehr schien ihn das Märchenhafte, Erzählerische anzusprechen, was man auch an den Arbeitstiteln "Violageschichten", "Mährchengeschichten", schlicht "Mährchen" oder "Mährchenlieder" erkennen kann. Er behiehlt die viersätzige Form, wenngleich man die einzelnen Abschnitte des Originalgedichts nur noch bedingt auf die jeweiligen Sätze übertragen kann, und komponierte vier Einzelstücke mit gesanglicher Melodik und klarer, periodischer Struktur, ohne übermäßige Durchführung des motivischen Materials. Er selbst nannte sie “Kinderspäße, es ist nicht viel damit”, womit er mehr die Reinheit des Ausdrucks dieser Stücke, als Naivität oder Banalität, gemeint haben dürfte. Die Märchenbilder sind eine Originalkomposition für Viola und Klavier, doch bereits das Titelblatt der Erstausgabe nennt auch eine" Violine ad libitum" als möglichen Partner für das "Pianoforte". In dieser, selten aufgeführten Form erklingen die "Vier Stücke".

Konstantin Bosch